Der Nachhaltigkeitsplan - Ein zusätzliches Angebot für Waldbesitzer


Martin Dickgießer und Pirmin Wiethaler über die erfolgreiche Umsetzung des Nachhaltigkeitsplans

© AELF Landau a. d. Isar

Die Idee des „Nachhaltigkeitsplanes“ ist seit 2014 ein weiteres Angebot, inaktive Waldbesitzer anzusprechen und diese für eine Bewirtschaftung ihres Eigentums zu motivieren. Martin Dickgießer und Pirmin Wiethaler vom AELF in Landau a. d. Isar berichten im Interview über Ihre Erfahrungen.
 

Wie ist die Idee des „Nachhaltigkeitsplanes“ entstanden und was beinhaltet dieser?

Wir überlegen in Landau immer, wie wir unsere Waldbesitzer mit neuen Ideen besser erreichen können als zuvor. Aus der Idee die Waldbesitzer, deren Besitz deutliche Pflegerückstände aufweist, direkt anzusprechen ist nach einiger Weiterentwicklung der „Nachhaltigkeitsplan“ geworden. Die Dringlichkeit der Maßnahmen spielt dabei keine Rolle mehr, vielmehr sollen die Vorstellungen des Waldbesitzers berücksichtigt werden. Wir wollen den Waldbesitzern etwas „in die Hand“ geben was den Einstieg zum eigenen Wald ermöglicht.

Die teilnehmenden Waldbesitzer bekommen neben allgemeinen Informationen zum Klimawandel und zur Baumartenempfehlung eine Flächenübersicht ihres Waldes in Karte und Text. Hinzu kommen vereinfachte Maßnahmenempfehlungen für jeden Bestand und eine grobe Schätzung des Zuwachses und der möglichen Entnahmemenge im Jahrzehnt, die sich aus den Daten der BWI herleitet. Der Nachhaltigkeitsplan soll ja einen Orientierungsrahmen für Waldbesitzer darstellen und erfüllt keineswegs die Ansprüche eines Forsteinrichtungswerkes.

 

Sollte eine bestimmte Zielgruppe von Waldbesitzern angesprochen werden, oder ist ein bestimmtes Klientel besonders gut auf das Angebot eingegangen?

Grundsätzlich werden innerhalb einer Gemeinde alle Waldbesitzer zu diesem Angebot eingeladen. In erster Linie geht es uns aber um den Klein- und Kleinstprivatwald, da in der Regel die Aktivität in der Waldbewirtschaftung mit zunehmender Besitzgröße automatisch zunimmt. Größere Waldbesitzer haben zudem ein sehr detailliertes Forsteinrichtungswerk, für diese ist das Angebot daher eher uninteressant.

Gerade Waldbesitzer mit Flächen < 1 ha reagierten auf das Angebot sehr gut. Das freut uns besonders, denn diese Gruppe ließ sich bisher durch Angebotsberatung und Sammeldurchforstungen nur sehr schwer erreichen.

 

Wie hoch ist der Zeitaufwand für die Erstellung eines „Nachhaltigkeitsplanes“ und wie lässt sich dieser im alltäglichen Geschäft bewerkstelligen?

Herzstück des Nachhaltigkeitsplans ist der gemeinsame Begang mit dem Waldbesitzer, um dessen Zielvorstellungen im Hinblick auf seinen Waldbesitz zu erfragen. Denn nur wenn der Waldbesitzer auch hinter den Maßnahmen steht, wird er diese auch umsetzen.

Der Zeitaufwand ist sehr unterschiedlich und ist von vielen Faktoren abhängig. Das Zusammenstellen der Ergebnisse lässt sich in aller Regel in einer Stunde bewerkstelligen. Durchschnittlich lässt sich in etwa ein kompletter „Nachhaltigkeitsplan“ pro Tag anfertigen.

Im alltäglichen Geschäft lässt diese Arbeit leider nicht bewerkstelligen, da der Zuspruch von Waldbesitzerseite zu groß ist. Durch die Unterstützung der Klimafachkräfte lässt es sich allerdings realisieren.

 

Wie ziehen Sie heute Bilanz über die gesamte Aktion?

Wir sind vom Zuspruch der Waldbesitzer überwältigt und hoffen deshalb, dieses Angebot für unsere Waldbesitzer noch ein paar Jahre aufrecht erhalten zu können. Wir glauben, dass wir für unseren Amtsbereich eine Form der nachhaltigen und lang wirkenden Beratung geschaffen haben.

Damit ist es und gelungen den Kontakt und den Austausch mit unseren Waldbesitzern zu fördern.

 

Was sind die Erfolgsfaktoren des „Nachhaltigkeitsplanes“?

Wichtig ist der Waldbesitzer geht mit der Beteiligung an dem Projekt keinerlei Risiko ein. Er erhält einen neutralen, unverbindlichen und kostenlosen Plan. Zudem hat er nun „etwas in der Hand hat“, was ihm Sicherheit gibt. Er muss diese nicht sofort umsetzen, sondern kann darauf auch noch nach Jahren zurückgreifen und es zusammen mit einem forstlichen Zusammenschluss umsetzen.

Durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit hatten wir von Beginn an einen relativ hohen Bekanntheitsgrad innerhalb der Gemeinden und so etwas spricht sich ja dann auch schnell rum. Heute Fragen uns auch immer wieder Waldbesitzer anderer Gemeinden, wann sie sich für den Nachhaltigkeitsplan anmelden können.

 

Wie praktikabel wäre eine Ausweitung des Angebotes auf ganz  Bayern und welche Rahmenbedingungen müssten dazu erfüllt werden?

In den nächsten 20 Jahren wechselt rund die Hälfte der Waldfläche ihren Besitzer. Da gibt es sicherlich viele die Ihre Vorstellungen dokumentiert haben wollen. Aber auch ohne Besitzerwechsel bietet der Nachhaltigkeitsplan einen prima Einstig, sich mit seinem Wald zu beschäftigen.

Im Rahmen von Schwerpunktprojekten wäre eine Ausweitung denkbar, aber sicherlich nur mit zusätzlichem Personaleinsatz. Wir müssen das Konzept aber auch weiterentwickeln, so gibt es bei der Datenerfassung und deren Dokumentation noch Verbesserungspotenzial.

 

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